Vorwort:
In diesem Kurs werden wir die unterschiedlichen Facetten der botanischen Malerei und Illustration kennenlernen. Sie werden lernen, wie Sie mit kreativen Techniken die Schönheit der Pflanzenwelt festhalten können, sei es durch künstlerische Freiheit oder durch präzise wissenschaftliche Darstellungen. Lassen Sie uns gemeinsam in die Welt der Farben, Formen und Details eintauchen!
Es gibt einen Unterschied zwischen Blumenmalerei, botanischer Malerei und botanischen Illustrationen für wissenschaftliche Repräsentationen und Veröffentlichungen.
Bei der Blumenmalerei sind praktisch keine Grenzen gesetzt, solange das Ergebnis in irgendeiner Form wie eine Pflanze oder ein Teil einer Pflanze aussieht. Hierbei ist es nicht wichtig, dass man aus dem fertigen Kunstwerk eine bestimmte Pflanzenart bestimmen kann, da es darum geht, schöne Aspekte aus dem Pflanzenreich mit eigener Kreativität hervorzuheben. Dazu zählt zum Beispiel auch eine hübsche Bettwäsche oder Tischdecke mit Blumenapplikationen.
Die botanische Malerei hingegen wird spezifischer. Hier wird versucht, eine Pflanze möglichst originalgetreu darzustellen, was eine spätere Bestimmung ohne weitere Hinweise ermöglicht. Die Freiheit in der Kunst bleibt hierbei beim gewünschten Lichteinfall und der Wahl des Motivs, beziehungsweise des Pflanzenteils, den man auswählt. Die natürliche Ästhetik der Pflanze steht dabei im Vordergrund. Meistens wird hierfür Farbe verwendet.Orchidee mit Pigmentliner und Aquarelle
Eine botanische Illustration im wissenschaftlichen Sinne versucht, die Gesamtheit der Charaktereigenschaften einer Art einzufangen, und zwar so genau wie möglich. Das ermöglicht eine exakte Beschreibung und spätere Bestimmung einer Pflanzenart. Im Unterschied zu vielen Fotos ist es hierbei möglich, verschiedenste Eigenschaften einer Pflanze, auch zeitlich, auf einem einzigen Bild darzustellen. Damit ist gemeint, dass neben der Pflanze im Gesamtportrait, dem sogenannten Habitus, zum Beispiel auch die Blüte im Detail dargestellt wird. Die einzelnen Details, die hervorgehoben werden sollen, können sowohl von vorne als auch von der Seite abgebildet werden. Zudem ist es möglich, Details darzustellen, die zeitlich eigentlich nicht gleichzeitig an einer Pflanze vorkommen, wie eine Blüte und eine reife Frucht samt Samen. Wenn möglich, wird auch das Wurzelwerk ohne Eingriff in die Natur dargestellt. Ein weiterer Unterschied zu einem Foto ist, dass der Schärfebereich hier kein Problem darstellt; alles, was die Pflanze an Details bietet, kann bei einer Illustration so dargestellt werden. Ein Beispiel hierfür wären feine Blatthaare oder Muster, die nur bei genauer Betrachtung sichtbar sind.
Dieses Bild eines Azolla Schwimmfarns ist eher eine Botanische Illustration, da hier die verschiedenen Facetten der Pflanze dargestellt sind
In diesem Kurs werde ich auf die verschiedenen Aspekte eingehen, die man beachten kann, wenn man versucht, künstlerisch in die Welt der Botanik einzutauchen. Der Fokus liegt dabei auf der Botanik an sich, aber vor allem auch auf der Zeichentechnik mit Pigmentlinern. Somit ist für jeden etwas dabei, ob es das erste Mal vor einem Blatt Papier ist oder ob man bereits künstlerisch erfahren ist, jedoch noch keine Erfahrung mit Botanik hat.
Empfohlenes Material
Auch abseits botanischer Kunst ist klar: Zum Zeichnen mit Pigmentlinern braucht man Pigmentliner. Nach meiner Erfahrung eignen sich die PIGMA MICRON Stifte von Sakura am besten. Die Schwarztöne dieser Stifte sind kräftiger als bei vielen anderen auf dem Markt. Allerdings lässt sich bei der Digitalisierung später einiges anpassen, sodass das Ergebnis auch ohne tiefstes Schwarz überzeugen kann. Die MICRON-Spitzen neigen zudem je nach Papiersorte kaum zum Verlaufen, was sie sehr vielseitig macht.
Empfohlenes Papier
Da Pigmentliner wasserfest sind und so die Kombination mit verschiedenen Techniken erlauben, nutze ich nur dickes Papier, das sich für mehrere Medien eignet. Besonders bewährt hat sich die Paint ON-Reihe von Clairefontaine, vor allem die Variante „Lisse“. Sie ist schneeweiß, extrem fein in der Grammatur und sorgt für präzise, verlaufsfreie Linien. Auch beim Scannen liefert dieses Papier ausgezeichnete Ergebnisse.
Bleistift für die Vorzeichnung
Für die Vorzeichnung verwende ich einen Druckbleistift, den 0,35 TK-FINE 9713 von Faber-Castell. Der Vorteil liegt darin, dass man nicht ständig spitzen muss und über längere Zeit eine gleichmäßige Linie zeichnen kann – ideal für detailreiche Vorzeichnungen. Die feine Spitze erlaubt präzisere Details, als es mit einem herkömmlichen Bleistift möglich wäre.
Radiergummi
Um die Vorzeichnung zu entfernen benötigt man noch einen Radiergummi. Dafür verwende ich den Faber-Castell Erasure, einen grünen PVC freien Radierer. Dieser verschmiert zwar im ersten moment relativ stark, aber das kann man simpel mit einem Finger entfernen, dafür ist mir der Verzicht auf PVC aber wichtig genug. Da PVC eigentlich ja ein sehr harter Kunststoff ist, kann man sich denken wieviel Weichmacher in einem weichen Radiergummi sein muss, der später auf dem Papier, den Händen und dem Müll landet.

Um die Schritte einer botanischen Zeichnung mit Pigmentlinern zu veranschaulichen, habe ich eine junge Kakaofrucht als Vorlage gewählt, die noch am Baum hängt.
Schritt 1: Die erste Vorzeichnung
Zu Beginn fertige eine grobe Vorzeichnung mit feinen, leichten Strichen an, die lediglich die Grundumrisse der Pflanze oder ihrer Teile erfassen. So kannst du sicherstellen, dass die Größenverhältnisse stimmen und dir Spielraum für Korrekturen bleibt. Die feinen Linien lassen sich später rückstandslos wegradieren, was die Reinheit der finalen Zeichnung gewährleistet. Besonders hilfreich sind hier lange, gleichmäßige Striche, die den Umrissen folgen.
Schritt 2: Die detaillierte Vorzeichnung
Sobald die groben Umrisse stehen, gehe zur detaillierteren Vorzeichnung über. Hier empfehle ich kurze, schraffierende Linien, um genauere Formen und Strukturen darzustellen – zum Beispiel die charakteristischen Dellen an der Außenfläche der Frucht und die kleinen Blütenreste am Stiel. Diese zweite Schicht verleiht der Zeichnung Tiefe und bereitet die Grundlage für die Ausarbeitung mit Pigmentlinern.Fertige Vorzeichnung mit Bleistift, man sieht wie schwach zu erkennen die Linien sind
Ist die Vorzeichnung abgeschlossen, nimm den Pigmentliner zur Hand und fahre alle markanten Linien sorgfältig nach. Jetzt ist auch der richtige Moment, um feine Details hinzuzufügen – wie den Stiel und die feinen Falten im Bereich der Basis. bei einem frischen Pigmentliner fällt bei näherer Betrachtung auf das die Spitze einem Zylinder ähnelt, das Zeichenergebnis ist daher viel genauer wenn man den Stift fast senkrecht zum Papier hält, je älter der Stift wird desto runder wird die Spitze und man kann den Stift auch schräg gut halten.
Sobald du die Vorzeichnung erfolgreich mit dem Pigmentliner nachgezeichnet hast, ist es Zeit, die Bleistiftreste zu radieren. Zwar ist das auch später noch möglich, doch je weniger Pigmentliner bereits auf dem Papier ist, desto geringer ist das Risiko, dass die Farbe durch das Radieren an Intensität verliert.
Im nächsten Schritt geht es darum, Schatten und Schattierungen auf das Papier zu bringen, um die zahlreichen Dellen und Riffel der Frucht darzustellen. Die einfachste Methode hierfür ist die Arbeit mit vielen kleinen Punkten. Je dichter die Punkte an einer Stelle, desto dunkler wirkt der Schatten.
Zunächst lege ich gerne die dunkelsten Schatten als eine Art Vorzeichnung fest, indem ich die Bereiche nur mit einzelnen Punkten umreiße. So lassen sich die Positionen der Schatten festlegen, und kleinere Fehler fallen später kaum auf, da sie nur aus wenigen Punkten bestehen.Die Umrisse deer kleinen Schatten sind mit Punkten gesetzt
Sobald die Umrisse gesetzt sind, füllt man die schattierten Bereiche in der gewünschten Dichte mit weiteren Punkten auf.
Die dunkelsten Schatten sind dargestellt
Wenn das erledigt ist, können auch die übrigen Schattierungen nach demselben Prinzip ergänzt werden. Durch die Vielzahl an Punkten werden kleine Fehler praktisch unsichtbar! 😊
Die Schattierung der Kakaofrucht ist fertiggestellt, so einfach funktioniert diese Technik 🙂
Im Vergleich zu einer kompletten Pflanze oder zu anderen Früchten und Blüten ist eine Kakaofrucht relativ einfach darzustellen, da sie wenige Details aufweist – hauptsächlich die typischen Dellen. Hier möchte ich ein paar charakteristische Merkmale vorstellen, die bei Pflanzen oft vorkommen und in botanischen Zeichnungen zu beachten sind:
- Blattadern: Deutliche Blattadern, wie sie etwa bei diesem epiphytischen (auf Bäumen wachsenden) Farn zu sehen sind, prägen viele Blätter und lassen sich gut zeichnerisch hervorheben.
Epiphytischer Farn
- Haare: Wie bei den rosa Früchten der Bananenart Musa velutina, die dicht behaart sind. Bei solch haarigen Oberflächen ist eine Schattierungstechnik wie das Punktieren weniger geeignet. Stattdessen empfiehlt es sich, die feinen Haare mit dünnen Strichen darzustellen, um die Textur realistischer zu erfassen.
Früchte der Banane Musa Velutina
- Symmetrien und gleichmäßige Formen: Ein Beispiel dafür ist der riesige weibliche Zapfen eines Encephalartos-Palmfarns. Die regelmäßige Anordnung der Schuppen in spiralförmiger Anordnung von unten nach oben lässt sich gut durch gleichmäßige, präzise Strichführung darstellen.
Zapfen eines Encephalartos Palmfarns
- Viele feine Details: Zum Beispiel in der Blüte des Sternkaktus Astrophytum ornatum. Bei der Zeichnung solcher Blüten ist es wichtig, die Anzahl der Details so genau wie möglich darzustellen, damit die Zeichnung die reale Struktur der Pflanze widerspiegelt.
Sternkaktus Blüte Astrophytum ornatum
Falls du dein gemaltes Bild auch online verwenden oder teilen möchtest, zeige ich dir hier, wie du das Beste aus deinem Werk herausholen kannst. Für die Nachbearbeitung nutze ich gerne das Open-Source-Programm GIMP (GNU Image Manipulation Program). Dieses pixelbasierte Grafikprogramm bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Bildbearbeitung und -optimierung. Auch das direkte Scannen des Bildes ist möglich. Im Folgenden findest du die Schritte zur Digitalisierung deines Bildes:
Bild scannen
Verbinde zunächst einen Scanner mit deinem PC. Öffne dann GIMP und wähle über Datei > Erstellen > Scanner/Kamera den entsprechenden Scanner aus. Ein spezielles Fenster wird sich öffnen, in dem du die Scan-Einstellungen anpassen kannst. Ich empfehle, die höchstmögliche DPI-Einstellung (dots per inch) zu verwenden – bei mir ist das 1200 dpi. Dadurch erhältst du die bestmögliche Detailtiefe und Flexibilität für die spätere Bearbeitung. Wähle außerdem die gesamte Seite aus und scanne in Farbe, um alle Nuancen zu erfassen.
Das eingescannte Bild hat noch ein Paar unerwünschte Farbabweichungen, aber ist sehr Detailreich
Bild zuschneiden und drehen
Je nachdem, wie der Scanner das Bild ausgibt, muss es möglicherweise noch zugeschnitten und gedreht werden. Nutze dafür das rechteckige Auswahlwerkzeug. Falls gewünscht, kannst du das Seitenverhältnis fixieren und so das Endformat auf DIN-Formate oder ein Seitenverhältnis wie 16:9 festlegen. Sobald du den gewünschten Bildausschnitt ausgewählt hast, klicke mit der rechten Maustaste auf das Bild und wähle Bild > Auf Auswahl zuschneiden. Für das Drehen gehst du ebenfalls über einen Rechtsklick und wählst Bild > Transformation und die gewünschte Drehung aus.
Farben anpassen
Oft sind Linien nicht richtig schwarz, das Papier wirkt ungleichmäßig weiß, oder der Scanner gibt die Farben anders wieder als erwartet. Um bei Zeichnungen mit Pigmentlinern einen klaren Schwarz-Weiß-Effekt zu erzielen, sind ein paar Anpassungen notwendig. Öffne über Farben > Werte ein Fenster zur Farbanpassung. Hier kannst du mit den kleinen Reglern in den Kreisen spielen: Schiebe den Regler im roten Kreis auf der rechten, weißen Seite nach links, um alle Weißtöne im Bild zu vereinheitlichen. Bis hinter die verschiedenen Weißtöne die man an der Kurve erkennt – so wird der Hintergrund strahlend weiß. Den Regler für die Schwarztöne auf der linken Seite, im grünen Kreis, schiebst du so weit nach rechts, bis das Schwarz so intensiv ist, wie du es dir wünschst.
Hier sieht man die Oberfläche bei Gimp, mit der man die Farben einstellen kann.
Bild verbessern
Um die Bildqualität weiter zu verbessern, kannst du über Filter > Verbessern > Schärfen nachschärfen. Dies sorgt für klare Kanten und mehr Details. Falls du Staub, Haare oder andere störende Elemente entdeckst, die sich beim Scannen eingeschlichen haben, kannst du diese mit dem Pinselwerkzeug entfernen. Wähle dafür einfach Weiß als Farbe aus, und da der Hintergrund bereits einheitlich weiß ist, sind die Korrekturen unsichtbar.
Exportieren
Bevor du das Bild exportierst, passe die Größe an deine Bedürfnisse an. Durch die hohe DPI-Zahl ist das Bild extrem groß, was zum Beispiel für Instagram oder andere Online-Plattformen oft zu groß ist. Gehe über Bild > Bild skalieren und gib die gewünschte Pixelzahl ein. Zum Exportieren wähle Datei > Exportieren nach und speichere das Bild im gewünschten Ordner.
Hier sieht man das Endergebnis der Bearbeitung neben dem Bild mit dem man angefangen hat. Alle Schwarz und Weißtöne sind vereinheitlicht worden und präsentieren ein schönes Ergebnis.
