Samen von Pflanzen haben verschiedene Funktionen, darunter auch die Fähigkeit, als Überdauerungsorgane schwierige Phasen zu überstehen. Um das Ende solcher schlechten Zeiten wahrzunehmen und eine Keimung einzuleiten, haben sich verschiedene Stoffwechselwege entwickelt, die auf Umweltbedingungen reagieren. Je nach benötigter Bedingung wird die Keimung unterschiedlich bezeichnet, darunter Kaltkeimer, Warmkeimer, Lichtkeimer, Dunkelkeimer oder sogar Feuerkeimer, bei denen eine Keimung durch Feuer ausgelöst wird. Passend zur Jahreszeit behandelt dieser Blogbeitrag die Kaltkeimer, erklärt, wie genau dieser Vorgang funktioniert, und führt eine Liste mit Beispielen für in Deutschland typische Pflanzen auf.

Klatschmohn und blaue Kornblume im Feld
Klatschmohn (Papaver rhoeas) und blaue Kornblume (Centaurea cyanus) sind beides Kaltkeimer. 

Biologie hinter der Keimung und besonders der Kaltkeimung

Samen als Überdauerungs- und Verbreitungseinheiten haben sich extrem unterschiedlich entwickelt. Sowohl in Größe, Form, gespeicherten Nährstoffen als auch in weiteren Eigenschaften können sich Samen unterscheiden. Nach der Samenreifung folgt die Abtrennung von der Mutterpflanze, danach die Nachreifung, anschließend die Samenruhe und schließlich die Samenkeimung. Die Übergänge zwischen diesen Stufen sind fließend, und auch die Dauer variiert von Pflanze zu Pflanze erheblich. Bei Mangrovenbäumen (Rizophoraceae) folgt auf die Samenreife direkt die Keimung, noch an der Mutterpflanze. So entwickeln sich die Jungpflanzen bereits in der Baumkrone ohne Samenruhe und können bis zu einem Meter lang werden. Wenn sie herabfallen, bohren sie sich in den typischen Schlick der Mangrovenwälder, um nicht als Samen fortgespült zu werden. Diese Form der Samenentwicklung nennt man Viviparie, also Lebendgeburt.

Glockenblume blüte
Glockenblume (Campanula spec.) ist ebenfalls ein Kaltkeimer

Andere Pflanzen besitzen Samen, die jahrelang ruhen können und dennoch keimfähig bleiben. Normalerweise dient die Samenruhe dazu, schlechte Perioden wie Trockenheit, Kälte oder auch Konkurrenz – im Falle der Feuerkeimer – zu überdauern. In Extremfällen können Samen jedoch auch deutlich länger überleben: Ein Same der Dattelpalme konnte nach knapp 2000 Jahren zum Keimen gebracht werden, und Samen eines Leimkrauts überlebten sogar 30.000 Jahre im Permafrost Sibiriens.

Blauer Eisenhut Zeichnung
Auch der giftige blaue Eisenhut (Aconitum napellus) ist ein Kaltkeimer

Nach der Samenruhe müssen geeignete Umweltbedingungen die Keimung schließlich einleiten. Im Falle von Kaltkeimern ist neben genügend Wasser und einem zeitlichen Verzug der Keimung – etwa durch eine unterschiedlich dicke Samenschale, die die Wasseraufnahme hemmt – auch ein Pflanzenhormon beteiligt. Das Pflanzenhormon ABA (Abscisinsäure) hat verschiedenste Funktionen in Pflanzen, insbesondere steuert es die Reaktionen bei Stress, zum Beispiel bei Trockenheitsstress. Während der Samenreifung leitet es die Bildung von Speicherproteinen ein, hemmt die Keimung und verhindert eine Keimung auf der Mutterpflanze. Der Gegenspieler des hemmenden Hormons ABA ist GA (Gibberellin), das bei der Samenkeimung eine wichtige Rolle spielt. Das Verhältnis beider Hormone wird durch deren Abbau und Synthese reguliert. Bei Kaltkeimern ist dieses Verhältnis temperaturabhängig; je nach Spezies bedarf es einer unterschiedlich tiefen und langen Kälteperiode.

Echte Schlüsselblume Primula veris
Die Echte Schlüsselblume (Primula veris)

Die künstliche Behandlung von Samen mit Kälte zur Keimungseinleitung nennt man Stratifikation.

Möchte man viele Blüten im Garten haben, sollte man bei Kaltkeimern darauf achten die Aussaat rechtzeitig vor den letzten Frösten durchzuführen. Im folgenden findet ihr eine alphabetische Liste an typischen Kaltkeimern.

Bärlauch Allium ursinum
Bärlauch (Allium ursinum) benötigt ebenfalls eine Kälteperiode um zu keimen.
NameBotanischer NameWuchsformBlütezeit
Adonisröschen (ganze Gattung)Adoniseinjährig oder ausdauernd krautigApril-Juni
Apfel (ganze Gattung)MalusStrauch bis BaumApril-Mai
ArnikaArnica montanaausdauernd krautigMai-August
BärlauchAllium ursinumausdauernd krautigApril-Mai
ChristroseHelleborus nigerausdauernd krautigFebruar-April
Cranberry Oxycoccus macrocarpusimmergrüner ZwergstrauchMai-Juni
DillAnethum graveolenseinjährig krautigMai-August
DuftveilchenViola odorataausdauernd krautigMärz-April
Echte SchlüsselblumePrimula verisausdauernd krautigApril-Juni
Echtes SeifenkrautSaponaria officinalisausdauernd krautigJuni-Oktober
EdelweißLeontopodium nivaleausdauernd krautigJuli-September
Blauer EisenhutAconitum napellusausdauernd krautigJuni-August
Gewöhnlicher FrauenmantelAlchemilla vulgarisausdauernd krautigMai-August
Gewöhnliche KuhschellePulsatilla vulgarisausdauernd krautigMärz-Mai
GundermannGlechoma hederaceawintergrün ausdauernd krautigApril-Juni
Gemeine HaselCorylus avellanaStrauch bis BaumFebruar-März
HeidelbeerenVaccinium myrtillusZwergstrauchMai-Juli
Echter HopfenHumulus lupulusausdauernd krautigJuli-August
KornblumeCentaurea cyanuseinjährig krautigMai-September
KornelkirscheCornus masStrauch bis BaumMärz-April
Echter LavendelLavandula angustifoliaZwergstrauchJuni-August
Großes LöwenmäulchenAntirrhinum majusausdauernd krautigJuni-September
Geflecktes LungenkrautPulmonaria officinalisausdauernd krautigMärz-Mai
MirabellePrunus domestica subsp. syriacaBaumApril-Mai
Mohn (Klatschmohn)Papaver rhoeaseinjährig bis zweijährig krautigMai-Juli
MoltebeereRubus chamaemorusausdauernd krautigMai-Juni
RoggenSecale cerealeeinjährig krautigMai-Juni
SalatLactuca sativaeinjährig bis zweijährig krautigJuni-August
echter SalbeiSalvia officinalisHalbstrauchMai-Juli
SauerkirschePrunus cerasusStrauch bis BaumApril-Mai
SchnittlauchAllium schoenoprasumausdauernd krautigMai-August
Echter SpinatSpinacia oleraceaeinjährig krautigJuni-September
WaldmeisterGallium odoratumausdauernd krautigApril-Juni
Echte WalnussJuglans regiaBaumApril-Juni
Duftveilchen viola odorata
Das Duftveilchen (Viola odorata)
Zuckerrübe Beta vulgaris
Die Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris)
Der Blaue Eisenhut Aconitum napellus
Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus)

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